Bei den Teilnehmer/innen der Studie kam es zu einer sehr starke Differenz zwischen männlichen und weiblichen Teilnehmern. Nur sieben Prozent der teilnehmenden Musiker/innen waren Frauen.
Der Hauptteil der Teilnehmer/innen der Studie war im Alter zwischen 18 und 27 Jahren. Der jüngste Teilnehmer war 14 Jahre und der älteste Teilnehmer 36 Jahre alt.
Im Kontext der Studie war der Hauptteil der Teilnehmer/innen den Schulformen Gymnasium (63%) und Realschule (21%) zuzuordnen. Der Anteil der Teilnehmer/innen anderer Schulformen ist im Kontext dieser Studie verschindend gering.
Auch im Verhältnis zu den Schulformen sind überdurchschnittlich viele Gymnasiasten als Teilnehmer/innen der Studie vertreten. Alle anderen Schulformen sind im Verhältnis zu ihrer tatsächlichen statistischen Verteilung in Leipzig in unserer Studie unterrepäsentiert.
Im Vergleich der Mittelwerte der Fragen 7 bis 14 des Fragebogens mit den Bewertungen der Jurymitlglieder fallen im Durchschnitt die Bewertungen der Jurymitglieder niedriger aus, als die Selbstbewertungen der Bands. Daraus könnte man schließen, dass die Jurymitlgieder einfach kritischer bewertet haben. Dafür gibt es statistisch keine Hinweise. Die Schwankungen der Differenz von Selbstbewertung und Jurybewertung hängen jedoch von der Selbstbewertung der Bands ab. Bands, die sich sehr hohe Werte in den Fragen 7 bis 14 gegeben haben, wurden durch die Jury in diesen Fragen eher schlecht bewertet. Bands, die sich in diesen Fragen eher niedrige Werte gegeben haben wurden durch die Jury eher hoch bewertet. Im Schluss müssen wir als davon ausgehen, dass sich qualifizierte Musiker/innen eher unterschätzen, während sich im Gegenschluss weniger qualifizierte Musiker/innen überschätzen. Das macht für uns aus der Perspektive Sinn, dass man mit steigendem musikalischem Können auch der Blick für die musikalischen Möglichkeiten weitet. Umgekehrt vermuten wir,dass man mit geringerem musiklaischen Horizont seine eigenen Fähigkeiten eher als Bewertungmaßstab für musikalisches Können ansetzt.
Über die reinen Mittelwerte der Fragen hinaus haben wir in einem zweiten Schritt eine Bewertung der Bands nach Kategorien vorgenommen. In den Fragen 7 bis 14 sowie den Jurybewertungen haben wir für Ausprägungen zwischen 0 und 3 das Label ungenügend, zwischen 3 und 6 mittelmäßg, zwischen 6 und 9 gut sowie zwischen 9 und 10 das Label sehr gut vergeben. Die daraus resultierenden Häufigkeiten zeigen, dass nur ca. 1/3 der Bands durch die Jury in den Kategorien Musikalität, Melodiegefühl, Rhythmusgefühl, harmonisches Verständnis, Versiertheit auf dem Instrument sowie Gehör als gut bzw. sehr gut bewertet wurden. Bei den Kategorien Kreativität und Bühnenshow sind das immerhin 50%. Die Selbstbewertung der Bands fiel in den selben Kategorien zwischen 50% bis 80% auf gut bzw. sehr gut. Besonders stark fällt dabei, die Abweichung zwischen Selbst- und Fremdbewertung bei der Frage nach dem Rhythmusgefühl auf.

Die Bewertung wie gut eine Band sich selbst findet und wie gut ein externer eine Band bewertet ist eine schwer zu beurteilende Fragestellung. Auf der Seite der Bands spielen dabei Faktoren wie grundlegende Attributionsstile, Reflektionsfähigkeit, eigener Anspruch und letztlich auch so etwas wie Tagesform ein Rolle. Ebenso liefert das Musikgenre auch gleich einen Horizont mit. Punk ist Punk und bleibt Punk, hat also von Natur aus einen geringeren musikalischen Anspruch als Funk oder Progressive Rock, heißt: Virtuosität am Instrument entsteht erst ab einer gewissen technischen Fähigkeit und musikalischen Fertigkeit und dort trennt sich unserer Meinung nach die Spreu vom Weizen. Musiker mit einem guten Rhythmusgefühl und einer gewissen Vorstellung von Melodie und Harmonie können nicht wirklich schlecht spielen. Der Umkehrschluss daraus ist jedoch auch anzunehmen. Auf der anderen Seite der Band also beim Zuhörer spielen ebenso Tagesform, Geschmack, musikalische Sozialisation, das Verhältnis zur Band und möglicherweise Ereignisse vor oder während des Konzertes eine Rolle. Eine objektive Bewertung von musikalischem Wert ist daher nicht bzw. nur eingeschränkt möglich.
Im Hinblick auf die Komplexität der vorzunehmenden Bewertungen haben wir uns im Vorfeld der Untersuchung entschieden, die Auftritte der Bands durch eine Jury bewerten zu lassen. Bei der Zusammensetzung der Jury haben wir darauf geachtet, dass es sich um Musiker/innen handelt, die selbst auch Erfahrungen als Bandmusiker haben. Das ist aus unserer Sicht unabdinglich, um die komplexen Abstimmungsprozesse auf der Bühne zu verstehen und bewerten zu können.
Dabei gäbe es die Möglichkeit eine Jury zu den entsprechenden Konzerten zu schicken. Das hätte den Vorteil, dass die Jury sehr gut die Atmosphäre beim Konzert erfassen und die Musiker/innen im einzelnen erfassen und befragen könnte. Schwierigkeiten würde es mit Sicherheit geben, die selbe Jury zu allen Konzerten zusammen zu bringen. Eine jeweils verschiedene Jury zu befragen, würde aus unserer Sicht zu sehr unterschiedlichen und wenig vergleichbaren Bewertungen der einzelnen Bands führen. Vor allem aus logistischen Gründen haben wir uns dann dafür entschieden, der Jury Videomitschnitte der Konzerte zur Bewertung vorzulegen.
Das hat zwar den Nachteil, dass durch den Qualitätsverlust und die Mischung der Tonspuren keine differenzierte Bewertung der einzelnen Musiker/innen möglich ist. Andererseits soll durch die Untersuchung auch die Band und nicht der/die Einzelmusiker/in bewertet werden. Der Vorteil dieser Verfahrensweise liegt darin, das man äußere Einflüsse auf der Seite der Jury verringern kann und das es einfacher zu ermöglichen ist, dass alle teilnehmenden Bands durch die gleichen Personen bewertet werden. Den Vergleich zwischen Selbst- und Fremdbewertung ziehen wir im Rahmen der Studie über die parallele Auswertung von zwei Fragebögen. Zum Einen erhielt jede/r Musiker/in einen Fragebogen als Pendent dazu erhielt jedes Jurymitglied einen Bewertungsbogen für jede Band.
Layout der Fragebögen
Fragebogen für Musiker/innen:
Nr. | Fragestellung | Skalierung |
1 | Wann hast du zum ersten Mal Musik bewusst wahrgenommen? | Nominalskala |
2 | Wie viele Stunden am Tag hörst du Musik? | Absolutskala |
3 | Wann hörst du am liebsten Musik? | Nominalskala |
4 | Seit wann spielst du dein Instrument? / Welches Instrument? | Absolutskala / Nominalskala |
5 | Hast du schon vorher andere Instrumente gespielt? Wenn ja, welche und seit wann? | siehe 4. |
6 | Wer hat dir das Spielen beigebracht? | Nominalskala |
7 | Für wie musikalisch hältst du dich? | Absolutskala |
8 | Wie ausgeprägt ist dein Melodiegefühl? | Absolutskala |
9 | Wie ausgeprägt ist dein Rhythmusgefühl? | Absolutskala |
10 | Wie ausgeprägt ist dein harmonisches Verständnis? | Absolutskala |
11 | Wie versiert bist du auf deinem Instrument? | Absolutskala |
12 | Wie ausgeprägt ist dein Gehör? | Absolutskala |
13 | Wie kreativ ist dein Spiel? | Absolutskala |
14 | Wie gut empfindest du deine/eure Bühnenshow? | Absolutskala |
15 | Wie oft probt ihr gemeinsam? | Nominalskala |
16 | Wie oft redet ihr über einzelne Songs außerhalb der Probe? | Ordinalskala / Likert-Skala |
17 | Wie würdet ihr euren Bandsound einschätzen? | Nominalskala |
18 | Wie oft redet ihr über euren Sound außerhalb der Probe? | Ordinalskala / Likert-Skala |
19 | Wie oft redet ihr über eurer Bandimage? | Ordinalskala / Likert-Skala |
20 | Wie findet ihr zu Entscheidungen in der Band, wenn ihr mal nicht einer Meinung seid? | Nominalskala |
21 | Wie alt bist du? | Absolutskala |
22 | Dein Geschlecht | Nominalskala |
23 | Deine Schulausbildung /-abschluss? | Nominalskala |
24 | Dein Berufsabschluss? | Nominalskala |
25 | Dein Beruf? | Nominalskala |
26 | Seit wann bist du in der Band? | Absolutskala |
27 | In wie vielen Bands warst du davor? | Absolutskala |
Fragebogen für Jury:
Analog zu den Fragen 7 bis 14 wurden den Jurymitgliedern folgende Fragen zur Bandbewertung gestellt. Die Auswertung erfolgte an Hand eines Vergleiches der Mittelwerte und Standardabweichungen der Bandmitlgieder sowie der Jurymitglieder.
Nr. | Frage | Skalierung |
1 | Wie musikalisch stufst du die Band ein? | Absolutskala |
2 | Wie ausgeprägt ist deren Gefühl für Melodien? | Absolutskala |
3 | Wie ausgeprägt ist deren Gefühl für Rhythmen ? | Absolutskala |
4 | Wie ausgeprägt ist das harmonische Verständnis? | Absolutskala |
5 | Auf welchem technischen Niveau musiziert die Band? | Absolutskala |
6 | Wie gut hören die Musiker aufeinander? | Absolutskala |
7 | Wie kreativ ist ihr Bandspiel? | Absolutskala |
8 | Wie gut empfindest du deren Bühnenshow? | Absolutskala |